Elly Heuss-Knapp wurde 1881 in Straßburg geboren. Ihr Vater war dort Professor für Nationalökonomie. Ellys Mutter stammte aus einer angesehenen Familie aus dem Kaukasus.
Ellly wuchs in Straßburg auf und besuchte mit ihrer Schwester eine Privatschule. Die Mutter war häufig krank, so kümmerte sich der Vater intensiv um seine Töchter und deren Bildung. Elly hatte bis zu seinem Tod eine enge Beziehung zu ihm.
Elly beschloss nach der Schule einen Beruf zu erlernen. Das war für eine Frau um dieser Zeit noch selten. Elly wurde Lehrerin und gründete nach dem Abschluss ihrer Ausbildung eine eigene Schule: Eine Fortbildungsschule für Mädchen, die nur 7 Jahre die Volksschule besucht hatten. Sie hatte sich bei einem befreundeten Dezernenten des Magistrats um die Schule bemüht und erreicht, dass die Handelskammer das Geld dafür bewilligt.
Bei dieser Lehrtätigkeit, bei der ihr das Fach Bürgerkunde besonders am Herzen lag, glaubte sie eigene Wissenslücken zu erkennen. Um diese zu schließen, beschloss die Volkswirtschaft zu studieren. Sie tat dies nicht bei ihrem Vater sondern in Freiburg und Berlin.
Noch in Straßburg gehörte Elly zu einem Kreis lebendiger junger Leute, der sich oft an Sonntagnachmittagen im Knappschen Haus am Teetisch traf und diskutierte. Sie liebten Dichtung, Kunst, Natur unternahmen Fahrten und Wanderungen durch das Elsaß und suchten nach einem eigenen, neuen Lebensstil. Diesem Kreis gehörte auch Albert Schweitzer an.
In Berlin unterrichtete Elly neben ihrem Studium in sozialen Kursen Mädchen und Frauen. Die erste Ausstellung über Heimarbeit, die das Elend der so arbeitenden Frauen und Kindern aufzeigte, beeindruckte sie stark. Sie stellt sich als Führerin durch die Ausstellung zur Verfügung.
Schon von ihrem Vater in Straßburg hatte Elly von Friedrich Naumann, einem Politiker und Sozialreformer gehört. Naumann gab die Zeitschrift "Die Hilfe" heraus, die sich Elly schon als junges Mädchen von ihrem Taschengeld hielt. Die Gedanken und Ideen Naumanns, eines großen Liberalen, prägten Elly ihr ganzes Leben. In Berlin verkehrte Elly in Naumanns Haus und lernte dort den Redakteur der "Hilfe" Theodor Heuss kennen. 1908 heirateten Elly und Theodor in Straßburg, Albert Schweitzer hielt die Traurede.
Das Ehepaar Heuss wohnte dann in Berlin, 1910 wurde ein Sohn geboren. In dieser Berliner Jahren erteilte Elly Unterricht in Frauenschulen, Sozialpädagogischen Anstalten und einer Fortbildungsschule. Sie half einen Frauenkongress vorzubereiten und kümmerte sich dabei um die Darstellung der sozialen Arbeit, die von Frauen schon immer geleistet wurde. Sie gehörte aber nie der organisierten Frauenbewegung an. Nebenher schrieb sie das Buch "Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen" und begann eine Vortragstätigkeit, die sich von nun an durch ihr Leben zog.
1912 zog die Familie Heuss nach Heilbronn, der Heimat von Theodor. Er übernahm auf Wunsch Naumanns die Schriftleitung der "Neckarzeitung". Elly fand ein neues Betätigungsfeld. Sie vermittelte in Kursen Mädchen Kenntnisse für die Arbeit im Kindergarten, Krippe, Hort und Altersheim.
Als 1914 der erste Weltkrieg begonnen hatte, gründete Elly eine Arbeitsvermittlung für Frauen der eingezogenen Soldaten. Sie verschaffte für sie Aufträge vom Bekleidungsamt für Heereslieferung und verhandelte z.B. erfolgreich in Berlin mit Beschaffungsamt und Kriegsministerium um 180 Zentner Strickwolle. Nebenher hielt sie Vorträge in verschiedenen Städten, und außerdem zu den Themen:"Hausfrau und Berufsfrau", "Einzelner und Volksgemeinschaft", "Die Hausfrau und die Steuern".
Ende 1917 zog Familie Heuss wieder nach Berlin, 1919 kandidierten sowohl Elly als auch Theodor für die Weimarer Nationalversammlung, beide wurden nicht gewählt. 1924 zog Theodor in den Reichstag ein. Elly unterrichtete in den zwanziger Jahren im Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin, unternahm Vortragsreisen, publizierte Aufsätze zu kulturellen, sozialen und politischen Fragen in Zeitschriften. Vorträge im Rundfunk, Rundfunkreportagen, Gespräche und einfache Regieführungen kamen dazu. Elly wurde Mitglied des Programmbeirats des Berliner Runkfunksenders. Daneben engagierte sich Elly in der evangelischen Kirchengemeinde und in der Armenpflege.
1933, nach der Machtergreifung Hitlers, verlor Theodor Heuss sein Reichstagsmandat, seine Dozentenstelle an der Hochschule für Politik und seine journalistische Arbeit. Er war bis Kriegsende zuhause und schrieb Biographien über Friedrich Naumann und Robert Bosch. Elly verlor ihre Arbeit beim Rundfunk. Sie beschloss nun selbständige Geschäftsfrau zu werden: Sie machte Werbung. Sie entwarf Werbetexte für Zeitungen, sie nahm Werbespots auf für den Rundfunk, sie drehte sogar die ersten Werbefilme. Dabei organisierte sie Musiker, Sprecher, Übersetzer für ausländische Werbeaufnahmen und führte Regie. Sie warb z.B. für die Firma Wybert, für Persil, für Nivea, für Schaumwein. Der erste Film warb für frischen Fisch. Fachvorträge über Werbung ergänzten dieses neue Berufsfeld. Elly gelang es, den Unterhalt der Familie und das Studium des Sohnes zu sichern.
Anfang der Nazizeit erhielt Elly das Angebot, ihre Lebenserinnerungen zu veröffentlichen. Das Büchlein trägt den Titel "Ausblick vom Münsterturm".
Zum Ende des Krieges zog das Ehepaar Heuss nach Heidelberg-Handschuhsheim, ins Haus von Elly verwitweter Schwester. Nach dem Kriegsende wendeten sich Elly und Theodor wieder der Politik zu. Theodor wurde Kultminister des Landes Nord-Württemberg und Nord-Baden, Elly Landtagsabgeordnete im Stuttgarter Landtag. Sie wohnten nun in Stuttgart-Degerloch. Elly arbeitete engagiert in den Ausschüssen für Sozialpolitik und Kultur.
Im September 1949 wurde Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Elly musste sich vom Landtag verabschieden, das Paar zog nach Bad Godesberg.
Im Januar 1950 gelang es Elly, die "Elly Heuss-Knapp-Stiftung Deutsches Müttergenesungswerk" ins Leben zu rufen. Elly hatte die Not der in Kriegs- und Nachkriegszeiten besonders stark strapazierten Mütter gesehen und deren Schlüsselrolle für die Familie erkannt. Es war ihr gelungen die großen Wohlfahrtsorganisationen zu diesem Projekt zu einigen. Sie gewann Förderer für dieses Projekt, hielt aufrüttelnde Rundfunkansprachen und erreichte, dass Schulkinder am Muttertag für das Müttergenesungswerk sammeln durften.
Elly war seit der Geburt ihres Sohnes immer wieder für längere Zeit krank. Von 1950 an wurde sie durch eine schwere Krankheit in ihren Bewegungsmöglichkeiten immer mehr eingeschränkt. Im Sommer 1952 start sie.
Theodor Heuss war bis 1959 Bundespräsident, er starb 1963.
1964 bekam das Mädchengymnasium in Bad Cannstatt auf Vorschlag der damligen Schülerinnen den Namen Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium.