Wenn Kultur.Forscher! Performancekünstlern werden – 100 Schüler veranstalten einen Flashmob auf dem Stuttgarter Schlossplatz


Stuttgarter Schlossplatz, 14. April, gegen 15 Uhr: Passanten, die auf dem Platz unterwegs sind, werden Zeugen eines ungewöhnlichen Schauspiels.Gut 100 Siebtklässler des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums, der BIL-Schule und der Rosensteinschule bewegen sich zielstrebig, wie einem geheimen Kommando folgend, auf die Platzmitte zu. Die Gruppe erregt Aufsehen, erst recht, da die Schüler merkwürdige röhrenförmige Objekte bei sich tragen. Dabei werden die Beobachter, ohne es zu wissen, selbst zu Beobachteten: Denn bei den Objekten handelt es sich um raffiniert konstruierte Kameras, die den Schülern erlauben, das Geschehen im Rundumblick zu erfassen.

Nur wenige Minuten dauert der "Flashmob" der Siebtklässler – doch was steckt hinter dieser Aktion?
Rückblick: Am Morgen treffen die Siebtklässler der drei Kultur.Forscher!-Schulen an der Stuttgarter Kunstakademie ein. Henrike Plegge vom ZKM Karlsruhe und Frau Brandes, unsere Prozessbegleiterin, empfangen die Schüler vor der Videoinstallation "Two Way Communication" von Nam June Paik, die sich mit dem Thema Überwachung subversiv auseinandersetzt. Dass Überwachungskameras allgegenwärtig sind, wird im Gespräch schnell klar – dass man die Videoüberwachung im öffentlichen Raum auch nutzen kann, um eine Performance zu inszenieren, ist für die Schüler ein spannender Gedanke.

In Kleingruppen erarbeiten die Schüler mit Theaterpädagogen vom JES, dem Kinder- und Jugendtheater Stuttgart, wie sie ihren Flashmob möglichst wirkungsvoll in Szene setzen können. Unverzichtbar: Das Basteln von "Überwachungskameras" mithilfe von Pappe, Tesaband und einem drehbaren Spiegel.

Basteln der Kameras

Dabei fällt es (nach anfänglicher Zurückhaltung) leicht, erste Kontakte zu den Schülern der anderen Schulen zu knüpfen − die Aussicht auf eine gemeinsame Performance am Nachmittag verbindet.

Nach einem Rundgang durch die Akademie, der viele interessante Einblicke (unter anderem in Künstlerateliers) erlaubt, bricht die Gruppe schließlich zum Schlossplatz auf: Jetzt ist es an der Zeit, selbst (Performance-)Künstler zu werden.

 

 

 

 

 

Beobachten

Beobachtet werden

Aufgezeichnet  wird der Flashmob von der Webcam, die dauerhaft am Schlossplatz installiert ist. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Im JES lässt man die Aktion noch einmal Revue passieren – und mit der Aufzeichnung der Webcam klingt der gemeinsame Tag der Stuttgarter Kultur.Forscher! schließlich aus.


Kirsten Esser