Dieser immer wieder aktuellen Frage ging unsere Mittel- und Oberstufentheater-AG nach, als sie am 1. Juli Molières "Der Geizige" aufführte.
Eingerahmt von einer modernen Sequenz, die die Oberflächlichkeit so mancher Beziehung klar vor Augen stellte, erfuhr Molières Klassiker gleich zu Beginn eine ihm zustehende Zeitlosigkeit.
Im ersten Teil der Sequenz unterhalten sich die drei Damen Helga, Anne und Maja angeregt per Mobiltelefon über ihre neuesten Männerbekanntschaften und deren finanzielle Lage. Ob sie wohl dieses Mal endlich den Partner gefunden haben, der ihnen alles bieten kann? Der zweite Teil dieser Sequenz gibt die Antwort auf diese Frage.
Den Kontrast dazu bilden gleich in der ersten Szene Valère und Elise, die sich innigst lieben, obwohl die äußeren Umstände für diese Liebe nicht gerade günstig sind. Elise ist die Tochter des Geizkragens Harpagon, der ganz andere Pläne für sie hat. Sie soll nämlich – ohne Mitgift! – an einen älteren Herrn verheiratet werden. Valère kommt zwar aus gutem Hause, ist aber auf der Suche nach seinen Eltern und mittellos. Er versucht, Harpagons Vertrauen als dessen Diener zu gewinnen.
Elises Bruder Cléanthe hat ähnliche Sorgen. Hat er sich doch in die anmutige Mariane verliebt, kann sie aber mangels finanzieller Mittel auch nicht heiraten.
Sein Vater Harpagon verfügt zwar über 100.000 Euro, die er aber aus wahnhaftem Geiz lieber im Garten vergräbt statt seinen Kindern ihr Glück zu ermöglichen. Er geht sogar noch weiter: Die Kupplerin Frosine – selbstverständlich steckt auch sie in Geldsorgen – vermittelt Harpagon die junge Mariane, die er gedenkt zur Frau zu nehmen, weil sie aus so bescheidenen Verhältnissen kommt, dass er ihr als Ehemann nicht viel bieten muss. Mariane ist sozusagen ein „Kapital an Anspruchslosigkeit“.
Während Harpagons Kinder die Liebe zu ihren Auserwählten retten wollen, lässt dieser das Hochzeitsfest vorbereiten – günstig soll es selbstverständlich sein! So ist Jacques, der Koch gehalten, ein Essen für acht Leute vorzubereiten. Was acht Leute satt macht, reicht für die zehn geladenen Gäste schließlich auch!
Als Frosine dann mit Mariane zu Harpagon kommt, fühlt sich Mariane, als begebe sie sich zu ihrer eigenen Hinrichtung. Die Begegnung zwischen Cléanthe und Mariane führt dazu, dass Cléanthe seinem Vater endlich gesteht, dass auch er Mariane liebt.
In diesem Tumult gelingt es LaFlèche, der Vertrauten von Harpagons Sohn Cléanthe, die im Garten versteckte Geldkassette an sich zu bringen. Der Geizhals schaltet daraufhin die Polizei ein, um den Schuldigen zu finden und seine 100.000 Euro wieder zu bekommen.
In der Schlussszene werden schließlich diejenigen vereint, die wahre Gefühle füreinander hegen. Monsieur Anselme, der ältere Herr, den Elise heiraten soll, ist kein anderer als Valères Vater, der nicht nur vermögend sondern auch gütig ist. So dürfen am Ende Elise und Valère sowie Mariane und Cléanthe heiraten, Harpagon bekommt seine Geldkassette zurück und bleibt allein.
Der ausgezeichneten und geistreichen Regiearbeit von Martina Tuda und David Götz ist es zu verdanken, dass das Publikum an diesem Abend Molières Komödie so schwungvoll und pointiert dargeboten bekam.
In der Rolle des Harpagon brillierte Leo Bathelt, der die Hauptfigur nicht nur mit Boshaftigkeit und Geiz, sondern auch mit der Verwirrtheit eines Greises überzeugend darbot. Auch seine Gegenspieler, Patricia Wowra als Elise und Fabian Halfar in der Rolle des Cléanthe, verstanden es hervorragend, ihren Charakteren Leben und vor allem Liebe einzuhauchen. Viktor Bach als Valère zeigte sich höchst wandlungsfähig, wie er in der einen Szene Harpagon mit honigsüßen Worten schmeichelte und nur einen Augenblick später die Bediensteten mit scharfen Worten antrieb.
Johanna Figah glänzte als Frosine,
die sie von spritzig-frech bis demütig bittend sehr facettenreich verkörperte.
Überhaupt glänzte das gesamte Ensemble der Mittel- und Oberstufentheater-AG durch erfrischende Spielfreude, meisterhaft vorgetragene Dialoge und variantenreiches Spiel.
Das Bühnenbild, von der Gruppe selbst entworfen und gebaut, verstärkte die Stimmung an den richtigen Stellen, ließ aber auch genug Raum und Freiheit für die Interpretation des Stückes. Besonders gelungen war der Kunstgriff, Harpagons immer wiederkehrenden Gedanken an seine Geldkassette mittels einer Videoprojektion auf einer Leinwand einzublenden.
Stephanie Gelse zeichnete für die ausdrucksstarke Maske verantwortlich.
Das begeisterte Publikum belohnte die Schauspielerinnen und Schauspieler mit einem lang anhaltenden Applaus. Es war sichtlich erfreut, dass die von Frau Senkel in 25 Jahren aufgebaute Theatertradition nun von mehr als würdigen Nachfolgern fortgeführt wird.
Marion Frey